Journal

Slow Hiking

Die Entde­ckung der Langsamkeit

Trödeln statt hetzen

Warum ich aufgehört habe, den Berg hoch zu rennen und angefangen habe, ihn zu genießen.

Es gibt diesen Moment am Berg, den ich früher kaum kannte. Ich bleibe stehen. Einfach so und nicht weil die Lunge brennt oder die Beine streiken, sondern weil das Licht gerade durch die Bäume fällt und der Blick ins Tal kurz reicht. Manchmal lege ich mich auf eine Bank und lass mich von der Sonne wärmen.

Ich wandere schon gefühlt immer und merke, dass sich etwas verändert hat. Nicht nur draußen auf dem Weg, sondern auch bei mir. Mein Körper gibt mir andere Signale als früher. Steile Anstiege gehe ich langsamer an, in meinem Rhythmus. Was ich früher vielleicht als Schwäche gesehen hätte, ergibt heute einfach mehr Sinn.

Der Berg läuft nicht weg.

Slow Hiking nennt man das inzwi­schen. Ich würde sagen, ich trödele einfach. Und das trifft es besser.

Ich komme heute anders vom Berg zurück, weil ich mir Zeit lasse und am Ende mehr mitnehme als nur die Strecke.

Vielleicht ist Trödeln am Berg gar nicht so falsch.
Ich mache genau so weiter.

P.S. Der Titel ist ausge­liehen aus dem Buch Die Entde­ckung der Langsamkeit von Sten Nadolny. Ein Seefahrer, der langsamer war als andere und genau darin seinen eigenen Weg gefunden hat.